Eine neue Ära des ewigen Kalenders
Mit dem IWC-ProSet™ löst IWC Schaffhausen ein Problem, das die Uhrmacherei seit Jahrzehnten beschäftigt – und knüpft dabei an eine der bedeutendsten Innovationen der Branche an.
Der Ausgangspunkt: Was ist ein ewiger Kalender?
Wer sich ernsthaft mit der mechanischen Uhr befasst, stößt früher oder später auf den ewigen Kalender – die wohl anspruchsvollste Kalenderkomplikation der klassischen Uhrmacherei.
Eine Uhr mit ewigem Kalender weiß selbstständig, wie viele Tage ein Monat hat. Sie kennt die unterschiedlichen Monatslängen von 28, 29, 30 und 31 Tagen, schaltet zum richtigen Zeitpunkt weiter und berücksichtigt Schaltjahre – all das vollautomatisch, ohne dass der Träger eingreifen müsste.
Was technisch so selbstverständlich klingt, ist mechanisch eine erhebliche Herausforderung. Konventionelle ewige Kalender verwenden ein sogenanntes Programmrad – eine exzentrisch verzahnte Scheibe, deren Stufen den Kalender bei Monatsende in die richtige Position bringen. Das System funktioniert zuverlässig, hat aber einen Nachteil, der jeden Besitzer einer solchen Uhr irgendwann beschäftigt: Es erlaubt ausschließlich das Vorstellen. Wer aus dem Urlaub kommt und den Kalender zu weit vorgedreht hat, wartet – manchmal tagelang – bis die echte Zeit aufholt.
Kurt Klaus und das Erbe von 1985
IWC Schaffhausen hat mit dem ewigen Kalender eine besondere Geschichte. Im Jahr 1985 stellte der legendäre IWC-Uhrmacher Kurt Klaus einen Perpetual Calendar vor, der die Branche veränderte.
Zum ersten Mal ließen sich alle Kalenderanzeigen – Datum, Wochentag, Monat, Mondphase und vierstellige Jahreszahl – synchron und ausschließlich über die Krone einstellen. Keine Hilfsstifte, keine versenkten Drücker, kein Spezialwerkzeug. Nur die Krone.
Diese Einfachheit war revolutionär. Und doch galt auch für das Klaus-System die alte Einschränkung: vorwärts ja, rückwärts nein. Wer sich beim Einstellen vertippte, saß fest
„Der ewige Kalender ProSet ist ein Beweis für die umfassende Kompetenz unserer Uhrmacher und Ingenieure bei mechanischen Kalenderkomplikationen.“
IWC-ProSet™: Was wirklich neu ist
Die technische Innovation
Auf der Watches and Wonders 2026 in Genf präsentierte IWC am 14. April eine Lösung, die genau diesen letzten offenen Punkt adressiert. Der neue Perpetual Calendar IWC-ProSet™ basiert vollständig auf Zahnrädern – keine Federn, keine Hebel in der traditionellen Form. Das ermöglicht erstmals das problemlose Vor- und Rückstellen des Kalenders über eine einzige Kronenposition.
Das Herzstück des neuen Systems ist ein Programmrad mit 31 Zähnen, ergänzt durch drei flexible, ausfahrbare Finger aus federndem Metallblatt. Je nachdem, wie viele dieser Finger ausgefahren sind, überspringt der Kalender beim Monatsübergang null, einen, zwei oder drei Tage – exakt entsprechend der Länge des jeweiligen Monats. Das Schaltjahr wird durch eine eigene Scheibe gesteuert, die eine Umdrehung in vier Jahren vollzieht.
Da das gesamte System auf Zahnrädern mit weichen Kurvenformen basiert – und nicht auf den bisher üblichen starren Federblatt-Hebeln –, kann die Mechanik in beide Richtungen betrieben werden. Das Rückstellen ist damit genauso einfach und sicher wie das Vorstellen.
Für die Patentanmeldung hat IWC fünf separate Schutzrechte eingereicht: drei für den Schalt- und Korrekturmechanismus, eines für die vierstellige Jahresanzeige und eines für den neu berechneten Mondphaseantrieb.
Das hocheffiziente Pellaton-Aufzugssystem nutzt beide Schwingrichtungen der Masse – Auf- und Abwärtsbewegung – zum Aufzug der Zugfeder. Teile des Aufzugsystems, darunter das Automatikrad und die Sperrklinken, bestehen aus nahezu abriebfreier Zirkonoxid-Keramik.
Für die Patentanmeldung hat IWC fünf separate Schutzrechte eingereicht: drei für den Schalt- und Korrekturmechanismus, eines für die vierstellige Jahresanzeige und eines für den neu berechneten Mondphaseantrieb.
Das hocheffiziente Pellaton-Aufzugssystem nutzt beide Schwingrichtungen der Masse – Auf- und Abwärtsbewegung – zum Aufzug der Zugfeder. Teile des Aufzugsystems, darunter das Automatikrad und die Sperrklinken, bestehen aus nahezu abriebfreier Zirkonoxid-Keramik.
Präzise Mondphase: Auf 1.040 Jahre genau
Nicht weniger bemerkenswert ist die Neuberechnung des Mondphasenantriebs. IWC-Ingenieure haben das Übersetzungsgetriebe zur Mondphasenanzeige von Grund auf neu kalkuliert. Das Ergebnis: Eine Abweichung von nur einem Tag in 1.040 Jahren. Die bewährte Double Moon®-Anzeige, die die Mondphase gleichzeitig für die nördliche und südliche Hemisphäre darstellt, bleibt dabei erhalten – nun aber mit einer Präzision, die für jeden praktischen Zweck als zeitlos gelten darf.
Der LIGA-Prozess: Mikrotechnik auf höchstem Niveau
Um die komplexen Geometrien des ProSet-Mechanismus überhaupt fertigen zu können, setzt IWC auf das sogenannte LIGA-Verfahren – eine Kombination aus Lithografie, Galvanoformung und Abformung. Diese Mikrotechnik erlaubt die Herstellung von Bauteilen mit mehrstufigen funktionalen Ebenen in einem einzigen Bauteil und mit einer Präzision, die konventionelle Fräs- oder Drehverfahren nicht erreichen. Das 24-Stunden-Rad, das Programmrad und die Mondphasenverzahnung sind auf diese Weise gefertigt.
Der Träger im Mittelpunkt: Was das in der Praxis bedeutet
Wir erleben in unserer täglichen Beratung, dass die technische Raffinesse einer Uhr oft dort ihren größten Wert entfaltet, wo sie sich im Hintergrund hält.
Ein ewiger Kalender soll dem Träger das Leben erleichtern – nicht neue Komplexität hinzufügen. In diesem Sinne ist der ProSet kein Selbstzweck, sondern eine aufrichtige Antwort auf einen echten Bedarf.
Konkret bedeutet das: Wer die Uhr nach dem Urlaub aufzieht und dabei den Kalender zu weit vorstellt, dreht einfach zurück. Wer die Uhr längere Zeit nicht getragen hat und den aktuellen Stand neu einstellen möchte, tut das intuitiv – genauso, wie man die Zeit einstellt. Keine Anleitung, kein Drücker, keine Angst, etwas falsch zu machen.
Ein kleiner Vorbehalt bleibt: Im Jahr 2100 wird der gregorianische Kalender einen Sonderfall aufweisen – das Jahr fällt zwar in das gewohnte Vier-Jahres-Muster, ist aber kein Schaltjahr. An diesem Punkt wird eine manuelle Korrektur nötig sein. Angesichts der Tatsache, dass bis dahin 74 Jahre vergehen, dürfte das kaum ein praktisches Hindernis darstellen.
Die drei Ausführungen: Stahl, Keramik, Gold
IWC bringt den ProSet-Kalender in drei Versionen des Big Pilot's Watch auf den Markt – jede mit eigenem Charakter, aber gleicher technischer Substanz im Inneren.
Werk
IWC-Manufakturkaliber 82665, Automatik
Komplikationen
Ewiger Kalender (Datum, Wochentag, Monat, Jahr), Mondphase (Double Moon®), Schaltjahr
Mondphasengenauigkeit
1 Tag Abweichung in 1.040 Jahren
Einstellung
Vor- und rückwärts über eine Kronenposition, ohne Drücker
Patente
5 Schutzrechtsanmeldungen für das ProSet-System
Warum dieser Kalender aus Köln anders aussieht
Als Kölner Juwelier begleiten wir unsere Kunden oft über viele Jahre – manchmal über Generationen. Wir erleben, wie eine Uhr in das Leben eines Menschen übergeht: bei der ersten Anprobe, beim ersten Tragen auf Reisen, beim Weitergeben an Söhne und Töchter.
Antonija Maric und Oliver Meyer zu Besuch bei IWC Schaffhausen
Für uns ist der ProSet deshalb nicht nur eine technische Sensation – er ist ein aufrichtiges Statement über das, was eine Uhr langfristig leisten soll. IWC baut mit diesem Kaliber keine Schaufensterkomplikation. Sie bauen eine Uhr, die man benutzt, ohne nachzudenken. Die man liebt, ohne sie zu pflegen. Die man weitergibt, weil sie keine Erklärung braucht.
Der ewige Kalender war viele Jahrzehnte die exklusive Domäne einiger weniger Komplikationsspezialisten – bewundert, aber oft respektiert aus einer vorsichtigen Distanz. Mit dem IWC-ProSet™ rückt diese Komplikation ein weiteres Stück in den Alltag. Das empfinden wir als echten Fortschritt – nicht als Vereinfachung, sondern als Reife.
Antonija Maric und Oliver Meyer zu Besuch bei IWC Schaffhausen